Die Sammlung der "Geers-Kopien"

Wer die noch unbekannten Schriften studieren möchte, die der assyrische König Assurbanipal im 7. vorchristlichen Jahrhundert in Ninive in der ersten „Universalbibliothek“ der Menschheitsgeschichte zusammentragen ließ, muss nicht unbedingt ins Britische Museum nach London reisen, wo die etwa 20.000 in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Königspalast gefundenen Tontafeln und Tontafelbruchstücke aufbewahrt werden. Mithilfe der umfangreichen Notizen, Transliterationen und keilschriftlichen Facsimile-Zeichnungen, die der deutsch-amerikanische Gelehrte Friedrich Wilhelm Geers anfertigte, ist dies auch im Heidelberger Seminar für Sprachen und Kulturen möglich.

Geers-bigDer 1885 in Bad Meinberg geborene F. W. Geers war in jungen Jahren in die U.S.A. ausgewandert, hatte am Chicago Oriental Institute orientalische Sprachen studiert und von 1924 bis 1939 im Auftrag des in Chicago entstehenden Chicago Assyrian Dictionary (CAD) im Britischen Museum zu London mehr als 7.800 vornehmlich literarische Keilschrifttexte abgeschrieben und den keilschriftlichen Befund in Zeichnungen dokumentiert. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand wollte F. W. Geers seinen Lebensabend in Deutschland verbringen. Er hatte seine gesamte Habe bereits nach Europa verschifft, als er unmittelbar vor der Heimreise am 29.1.1955 in Chicago plötzlich verstarb. Seine Erben gaben daraufhin seinen wissenschaftlichen Nachlass mit den für die Forschung so wichtigen Keilschriftkopien an das Heidelberger Seminar für Sprachen und Kulturen.

Literatur zu F.W. Geers:

  • A. L. Oppenheim, "Frederick W. Geers", Journal of Near Eastern Studies 33 (1974), 179-181.
  • E. Weidner, "Frederick W. Geers", Archiv für Orientforschung 17 (1954-56), 489. ders., Reallexikon der Assyriologie 3 (1957-71), 180f., s. v. "Geers".
  • Der 33. Band des "Journal of Near Eastern Studies" und R. Borgers "Handbuch der Keilschriftliteratur", Bd. 2 sind dem Gedächtnis an F. W. Geers gewidmet.

 

Zuletzt bearbeitet von: E-Mail
Letzte Änderung: 25.02.2016
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